Musikverein Kluftern e.V.


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Südkurier Herbstzauber 2016
Dienstag, 11. 10 2016
„Herbstzauber“ – das klingt eigentlich ein wenig zu brav für den bunten Konzertzirkus, den der Musikverein Kluftern alljährlich auf die Beine stellt. Ein großer Spaß ist das, eine unbeschwerte Show, und die Gespräche an den Tischen sind dabei so wichtig wie die Einlagen auf der Bühne. Christof Müller, der Vorsitzende des Musikvereins Kluftern, sagt es dem Publikum so: „Nehmen Sie's nicht so streng heute Abend!“.

Von streng kann weder vor noch auf der Bühne die Rede sein: Selbst vor einer Stripshow scheuen vier Damen des Musikvereins zu einer (b)rassigen Version von Joe Cockers „You can leave your hat on“ nicht zurück – aber kaum kommen unter den abgelegten Blusen glitzernde Tops zum Vorschein, schwenkt die Kapelle um, spielt mit viel Swing und Augenzwinkern „Just a Gigolo“, und die Mädels geben mit Stock und Zylinder voll angekleidet die Choreografie dazu. Man merkt: Eigentlich müssten Dirigent Gerhard Hartwig und seine Musiker Segelohren haben, so faustdick ist der Schalk, den sie dahinter stecken haben. Das zeigt auch das fröhliche, aber beschauliche Stück „Gaucho“, bei dem die Trompetensolisten gemütlich mit Sombreros in Liegestühlen fläzen. Komisch, dass Gauchos eigentlich Kühe hüten. Fischer müssten das sein – zumindest diese Beiden hier haben das Publikum am Haken. Dass die Bewirtung im Bürgerhaus bestens funktioniert, wird an dieser Stelle auch gleich demonstriert. Kaum halten die Gauchos Siesta, werden ihnen Getränke gebracht – natürlich alkoholfreie.

Mit „Gentlemen of Music“ kommen in James Last-Qualität Melodien von Tom Jones und Neil Diamond über die Rampe, „Amazing Grace“ taktiert mit dem Rhythmus von Ravels „Bolero“, und eine Polka wie „Rosamunde“ steckt voller überraschender Sprunghaftigkeiten. Behäbig und berechenbar zu sein, dieses Klischee über Blasorchester war einmal, zumal der Musikverein Kluftern ein ums andere Mal in die Rolle einer Bigband schlüpft.

Zum frischen Eindruck tragen auch die erfreulich frechen Moderationen von Sebastian Thoma bei. Der erinnert sich mit gut abgehangenem Schrecken an den Auftritt beim Oktoberfest in Konstanz. In dieser Stadt kriegt das Publikum die universitären Verhaltensweisen offenbar einfach nicht aus den Knöcheln: Der Klufterner Kapelle applaudierten die Leute dort, indem sie auf die Biertische klopften. Und jetzt, beim Herbstzauber, will Thoma mal einen ordentlichen Klufterner Applaus hören!.

Im Foyer des Klufterner Bürgerhauses hängt eine Fahne mit einem wohlfeilen Motto: „Im Reich der Töne suche das Schöne“. Ja, das könnte eine mühsame Suche werden, wenn die Kapellen nichts taugten! Aber auch die vor den Klufternern spielenden Gäste unterhalten erstklassig: die Trachtenkapelle Oberteuringen unter Leitung von Fabian Zürn. Mit den zwischen Swing und Schlager pendelnden Melodien im Medley „Golden Sixties“ etwa. Fulminant gipfelt es im Stimmungsmacher „Those were the days“, der immer zünftiger und schwungvoller wird.

Mit „Amigo Charlie Brown“ geht es in die Hitparade der 70er, und zwar zünftig. Damit nähert man sich ganz, ganz langsam dem mutmaßlichen Geburtsjahr von Fabian Zürn, der also noch recht jung ist. Dass er von seinen Musikern trotzdem als Oldie geoutet wird, zeigt nur, wie jugendlich besetzt heute eine Kapelle ist, die immer noch viele Polkas und Märsche im Programm hat. Und die kann man virtuos spielen, wie man am „Alten Dessauer“ sieht: Den beiden Flügelhornisten Felix Amann und Simon Hager gelingen enorm schwierige Soli – Signal-Fanfaren, so komplex wie Morsezeichen. Da zieht man im Geiste aus Respekt den (Trachten-) Hut.

So heikle Fragen wie die Grenzangelegenheiten zwischen Baden und Württemberg werden in Kluftern, das einst Napoleon den Badenern zuschlug, geschickt umgangen: Statt dem Badnerlied spielt die Trachtenkapelle eine Tiroler Hymne und präsentiert sich dabei zusätzlich als Chor: „Du bist das Land, dem ich die Treue halte, weil du so schön bis, mein Tiroler Land.“Die Qualität dieses Herbstzaubers schlägt sich am Ende nicht nur im Applaus nieder. Vier neue Fördermitglieder kann der Musikverein Kluftern begrüßen. Und bis das letzte Stück Zwiebelkuchen gegessen war, wurden es vielleicht noch mehr.

Autor: Harald Ruppert

 
 
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Dienstag, 11. 10 2016
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Letzte Änderung:18 July 2017 19:11
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